THERAPIE

Eine Standardtherapie, die auf jeden Fall erfolgreich ist, gibt es leider nicht, daher muß hier unter Umständen auch an Kombinationen verschiedener Therapieschemata im Sinne einer Antibiose, aber auch unterstützender oder alternativer Medikationen gedacht werden. Hinzu kommt, daß bei einigen sogenannten „Mitteln der Wahl“ offensichtlich in vitro nachgewiesen werden konnte, daß sie gegenüber Testreihen ohne Antibiotikagabe trotz guter Absterberaten der Spirochäten überproportional hohe Cystenbildungen induziert haben. Hier muß man sich fragen, ob die empfohlene alleinige Antibiose mit ß-Lactam-Antibiotika wirklich ausreichend ist, oder nur aufgrund fehlender Langzeitbeobachtungen und des Zielparameters „Absterben der Spirochäte“ in der klinischen Prüfung die Indikation für Stadium 2 und 3 erhalten haben.

Die gängigen Therapieschemata werden je nach Autor nach zwei unterschiedlichen Kriterien eingeteilt: Entweder nach Stadien oder nach Organmanifestationen.

Wie auch immer, zumindest in der Routinepraxis läuft leider meist alles auf wenige übliche Alternativen hinaus:

Stadium 1: Doxycyclin 2x täglich 100 mg über 3 Wochen
Stadium 2 & 3: Rocephin (=Ceftriaxom) 1x täglich 2 bzw. 4 g

Diese sind allgemein bekannt, aber leider zu häufig nicht erfolgreich. Außerdem ist die Meinung nach wie vor verbreitet, daß eine einmalige Antibiose auf jeden Fall ausreichend ist und falls diese stattgefunden hat, eine Borreliose als Ursache für entsprechende Beschwerden ausscheidet. Zahlreiche Untersuchungen belegen, daß dies ein Irrglaube ist.

Weitere Therapieschemata, je nach Organsystem, sind unter "gängige Therapieschemata" aufgeführt, aber auch diese Liste nach Satz (Lit.: 167) ist sehr an den gängigen Empfehlungen orientiert und berücksichtigt keine neueren Forschungsergebnisse mit z.B. anderen Dosierungen, Therapiedauern, Intervalltherapien und schon gar keine neuen Versuche mit anderen Antibiotika, die von der Routine abweichen. Hier gibt es eine ganze Reihe neuer Entwicklungen, die zu beschreiben allerdings den Rahmen dieser allgemeinen Informationsseiten sprengen würde.

Problem lange Regenerationszeit

Aus der Sicht vieler erfahrener Borreliose behandelnden Ärzte kommt es für den Therapieerfolg darauf an, dann Antibiotika einzusetzen, wenn die Borrelien im Körper vorhanden und in Vermehrungsphasen sind. Die Zystenform scheint aus den bisher dokumentierten Erfahrungsberichten einer herkömmlichen Antibiotikatherapie unzugänglich zu sein. Dieses Zeitfenster zu erkennen bedeutet, die Spezifika der Krankheit zu kennen, Symptome entsprechend zu deuten und vor allem langfristig mit den Patienten ein Therapieschema und Behandlungszeitperioden zu finden, so daß Behandlungserfolge zu verzeichnen sind, ohne diese durch überproportionale Nebenwirkungen wieder zunichte zu machen.

Da es immer noch unklar ist, in welchen zeitlichen Abständen aus den Zystenformen erneut sich vermehrende Borrelien entstehen, ist die Bestimmung des „richtigen“ Zeitpunkts ausgesprochen schwierig. Hilfreich kann hierbei ein Patiententagebuch sein, in dem täglich die klinischen Veränderungen eingetragen werden.

Borrelien vermehren sich deutlich langsamer als viele andere Bakterien. Wie zuvor bereits beschrieben, wirken die meisten Antibiotika dadurch, daß sie zu einem bestimmten Zeitpunkt der Vermehrung in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen. Wenn sich Borrelien zum Zeitpunkt der Therapie allerdings nicht in diesem angreifbaren Stadium befinden, können sie überleben. Beispielsweise vermehren sich Streptokokken (u.a. verantwortlich für Halsentzündungen) alle 20 - 30 Minuten. Bei der üblichen antibiotischen Behandlungsdauer von Streptokokkeninfektionen werden ca. 480 Reproduktionszyklen abgedeckt. Borrelien vermehren sich in vitro(d.h. ausserhalb des Körpers in einem bestimmten Anzuchtmedium) alle 7 Stunden; möglicherweise ist der Prozeß in vivo (d.h. im Körper) noch länger. Wollte man genauso viele Reproduktionszyklen wie bei den Streptokokken abdecken, bräuchte man eine Behandlungsdauer von 1 - 2 Jahren.