STADIUM 1

Stadium 1 = Frühborreliose = relativ frische Infektion

In der Akutphase nach Zeckenexposition spricht man übereinstimmend von Stadium 1 oder Frühborreliose. Der Zeitraum liegt einige Tage bis wenige Wochen nach Exposition, maximal bis zu 3 Monaten.

Häufige Symptome des Stadiums 1 sind:

- Erythema migrans (häufigstes Symptom in 50-60% der Fälle)
- Myalgien (Muskelschmerzen)
- Nackensteifigkeit
- Müdigkeit / Reizbarkeit
- Grippeähnliches Allgemeinbefinden
- Schwellung der lokalen Lymphknoten in Einstichstellennähe

In ca. 30-60% der Fälle manifestiert sich die Frühborreliose mit einem Erythema migrans (Wanderröte) als Leitsymptom (gilt für Europa, in den USA liegt die Quote bei rund 90%). Das Erythema migrans entsteht Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich um die Bißstelle herum als ringförmige oder diffuse flächige Rötung, die sich in kürzester Zeit großflächig ausbreiten kann, aber nicht zwangsläufig muß. Auch eine kleine, lokal umschriebene Rötung kann Zeichen einer Borrelieninfektion sein, man spricht auch vom Erythema non-migrans. Es muß aber nochmals darauf hingewiesen werden, daß das Fehlen eines Erythems kein sicheres Zeichen für die Abwesenheit von Borrelien ist! 40-70% der Patienten haben kein Erythema migarans in der Anamnese!

Mit dem Erythema migrans können, müssen aber nicht, Schwellungen der regionalen Lymphknoten einhergehen, diese sind z.B. im Achsel und Leistenbereich recht häufig.

Das Erythem blaßt meist innerhalb von Tagen oder Wochen wieder ab, im Zentrum bleibt oft ein kleiner, rötlicher oder dunkler Fleck und/oder ein zentrales, lymphozytäres Knötchen zurück. Patienten mit chronischer Borreliose berichten, daß in periodischen Abständen, die mit der klinischen Verschlechterung der Symptomatik einhergehen, diese Flecken bzw. Knötchen zu jucken beginnen bzw. die rötliche Färbung und Größe zunimmt. Das Verschwinden des Erythems ist kein Indiz dafür, ob die Borreliose ausgeheilt ist oder nicht.

Bleibt das Erythem über mehr als 6 Monate bestehen, so spricht man auch von einem Erythema chronicum migrans.

In ca. 5%-10% der Fälle kann es auch weitere exanthemische, fleckförmige oder ringförmige Hautveränderungen an anderen Stellen des Körpers geben. Bei diesen Patienten ist davon auszugehen, daß die Wahrscheinlichkeit einer Manifestation der Borreliose im Stadium 2 deutlich erhöht ist.

Man geht davon aus, daß nur maximal 60% der Borrelieninfektionen als Erythema migrans im Frühstadium sichtbare Symptome entwickeln. Auch wenn bei Patienten mit Erythema migrans die Diagnose einfach ist, darf nicht aus dem Fehlen der Hautreaktion auf das Fehlen einer Borrelieninfektion geschlossen werden.

Nach gängiger Lehrmeinung heilen 80% der Borrelieninfektionen des Stadiums 1 folgenlos ab (bewiesen ist dies nicht). Dennoch sind meines Erachtens 20% chronische und/oder komplikationsträchtige Verläufe einfach zuviel, um nicht antibiotisch therapiert zu werden (bei den geschätzten 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr wären dies immerhin ca. 12.000 chronische und/oder schwere Verläufe bei Nichtbehandlung!).

Problematisch sind die vielen Borrelieninfektionen, die zunächst klinisch inapperent, das heißt für den Patienten weitgehend symptomlos verlaufen. Daher kann eine genaue Aussage, wie hoch die Ausheilungsrate wirklich ist, auch nicht gemacht werden.

Mit dem Zeckenstich und der Übertragung der Borrelien beginnt meist auch die Immunantwort des Betroffenen. Von der Stichstelle ausgehend wandern die Borrelien meist zentrifugal mit oder ohne Entwicklung eines Erythema migrans in der Haut, konnten aber auch bereits innerhalb der ersten 24h nach Exposition in andern Organen nachgewiesen werden.

Man vermutet, daß es eine direkte Korrelation zwischen Erkrankungsgrad und Anzahl der Borrelien im Körper gibt, daher ist es wichtig mit der Antibiose so früh wie möglich zu beginnen und so den Borrelien keine Chance zur Vermehrung zu geben.

Die Therapieempfehlungen für das Frühstadium sind von Experten zu Experten – wie alle Therapieempfehlungen für Borreliosen – sehr unterschiedlich. Vor allem was die Dauer und Dosierung der Behandlung angeht variieren die Angaben.

Es wäre jedoch sicherlich übertrieben, bei jedem symptomlos verlaufenden Zeckenstich eine prophylaktische Antibiose durchzuführen, bei Auftreten eines Erythema migrans muß jedoch eine ausreichend lange und ausreichend dosierte Antibiose, vorzugsweise mit Doxycyclin, erfolgen.

Um einen ausreichenden Wirkspiegel über 24 Stunden zu erreichen, empfiehlt sich je nach Körpergewicht die Gabe von 200 bis 300 mg Doxycylin verteilt auf zwei Zeitpunkt jeweils morgens & abends zu den Mahlzeiten. Um sicherzustellen, daß Doxycyclin in ausreichender Menge resorbiert wird darf es nicht zusammen mit zwei- und dreiwertigen Kationen eingenommen werden, im Klartext bedeutet dies für den Patienten, mindestens 2 Stunden vor und 3 Stunden nach der Einnahme von Doxycyclin keine zeitnahe Aufnahme von z.B.:

- Milch- oder Milchprodukten wie Joghurt, Quark, Sahne oder ähnlichem (hoher Calciumgehalt)

- Mineralstoffpräparaten (Calcium, Magnesium, Eisen etc. ) und/oder Multivitaminpräparaten mit entsprechenden Mineralstoffen

- Eisen oder Nahrungsmitteln mit hohem Eisengehalt (z.B. Spinat)

- Medikamenten die die Resorption von Doxycyclin vermindern (siehe jeweilige Beipackzettel), z.B. Colestyramin, Magnesium- oder Aluminiumhaltige Antacida u.a.m.


Zusammenfassung gängige Therapieempfehlung Stadium 1:
2 x täglich (morgens & abends) je 100 bis 150 mg Doxycyclinüber mindestens 2 besser 3 Wochen

Möglichkeiten der Labordiagnostik im Stadium 1 = Frühstadium

Eine Möglichkeit sich einigermaßen Gewißheit über die Wahrscheinlichkeit einer Borrelieninfektion nach akutem Zeckenstich zu verschaffen, ist den Antikörpertiter im zeitlichen Verlauf zu beobachten, das heißt direkt nach der Zeckenexposition und dann mindestens einmal besser mehrmals nach einigen Wochen.

Verändert sich bei einem Patienten mit negativem Titer dieser innerhalb weniger Wochen zum positiven, hat mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Borrelienexposition stattgefunden. Ein direkt nach Zeckenstich bestimmter negativer Borrelien-Antikörper-Titer schließt eine Borreliose nicht aus, da einige Zeit bis zur Bildung spezifischer Antikörper vergeht.

Patienten mit bereits bei Zeckenstich positivem AK-Titer hatten in der Regel schon vorher Kontakt mit Borrelien, der AK-Titer-Verlauf hat hier wenig Aussagekraft, kann aber durch Bestimmung der Titerhöhe einen gewissen Anhalt dafür bieten, ob es sich um ein akutes Geschehen handelt, sicher ist dies jedoch keineswegs.

Leider gibt es bei Borreliose nicht selten Patienten, die keine nachweisbaren Antikörper bilden, diese werden „Non-Responder“ genannt. Hier ist es ausgesprochen schwierig, eine sichere Diagnose zu stellen, negative AK-Titer können daher nicht zum alleinigen Ausschluß einer Borreliose dienen.

Zusätzlich zur gängigen Labordiagnostik im Frühstadium bietet sich der Antigennachweis aus den Zecken selbst an. Dazu muß die Zecke nach der Entfernung an ein spezialisiertes Labor eingeschickt werden. Es läßt sich dann mit einiger Sicherheit feststellen, ob die Zecke Borrelienträger war, aber auch hier bleiben gewisse Restunsicherheiten.