STADIENEINTEILUNG NACH RKI

Stadieneinteilung nach Robert-Koch-Institut: (Lit.: 160)

„Analog zur Syphilis wird die klinische Symptomatik der Lyme-Borreliose in drei Stadien eingeteilt, wobei atypische Verläufe häufig sind. Konnatale Infektionen kommen vor, sind aber sehr selten.“

Stadium 1

„Klinisches Leitsymptom des Stadiums I ist das Erythema chronicum migrans. Tage bis wenige Wochen nach Zeckenstich bildet sich um die Einstichstelle ein Erythem, das sich langsam zentrifugal ausbreitet und im weiteren Verlauf zentral abblaßt, so daß es anfangs als scheibenförmiges, später als ringförmiges Erythem imponiert. Multiple Erytheme sind beschrieben worden und sind dann dem Stadium II zuzuordnen. Allgemeinsymptome wie Fieber, Myalgien, Kopfschmerzen und Lymphknotenschwellungen können auftreten. Das ECM klingt meist auch ohne Behandlung nach Wochen bis Monaten wieder ab.“

Stadium 2:

„Leitsymptom des Stadiums II ist in Europa die lymphozytäre Meningoradikulitis Bannwarth (Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom). Sie tritt Wochen bis Monate nach Zeckenstich auf, wobei sich nur ungefähr die Hälfte der Patienten an den Zeckenstich erinnert und nur ungefähr 40 % ein Erythema chronicum migrans gehabt haben. Die Meningoradikulitis Bannwarth ist gekennzeichnet durch brennende radikuläre Schmerzen mit und ohne Lähmungserscheinungen. Ein weiteres Leitsymptom ist die Facialisparese. Bei Kindern treten häufiger meningitische Verläufe auf. Diagnostisch wegweisend ist der typische Liquorbefund, der durch eine lymphozytäre Pleozytose mit Eiweißvermehrung gekennzeichnet ist. Serologisch zeigen 50-90 % der Patienten signifikant erhöhte Antikörper- Titer im Serum. Dem Nachweis der spezifischen Antikörperbildung im Liquor (vgl. 6 Diagnostik) kommt eine wichtige diagnostische Bedeutung zu. Eine kardiale Beteiligung kann allein oder in Kombination mit anderen Symptomen auftreten und zeichnet sich durch AV-Blockierungen I.-III. Grades aus. Als typische (seltene) Hautmanifestation des Stadiums II gilt die Lymphadenosis cutis benigna Bäfverstedt (Borrelien-Lymphozytom). Sie imponiert als rötlich-livider Tumor meist an Ohrläppchen, Mamille oder Skrotum.“

Stadium 3:

"Ätiologisch gesicherte Manifestationen des Stadiums III sind die Lyme-Arthritis und die Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer (ACA). Sie treten Monate bis Jahre nach Infektion auf. Charakteristisch für die ACA ist ein initial infiltratives Stadium, das zur Atrophie der Haut führt, die sich zigarettenpapierdünn, livide verfärbt, darstellt. Prädilektionsstellen sind die distalen Extremitätenabschnitte. Arthropathien und Polyneuropathien sind an den betroffenen Extremitätenabschnitten nicht selten. Die Lyme-Arthritis ist eine schubweise oder chronisch verlaufende mono- oder oligoartikuläre Arthritis. Am häufigsten ist das Kniegelenk betroffen. Autoimmun-Mechanismen scheinen besonders bei chronischen Verläufen eine wesentliche Rolle zu spielen. Eine seltene Spätmanifestation der Lyme-Borreliose ist die chronische Enzephalomyelitis mit Para- und Tetraparesen. Bei fast allen Patienten in diesem Stadium lassen sich spezifische IgG-Antikörper im Serum nachweisen. IgM-Antikörper fehlen im allgemeinen.“