MÖGLICHE INTERPRETATIONEN

Mögliche Interpretationen von Laborergebnissen anhand des momentanen wissenschaftlichen Diskussionsstandes (ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit)

Wie auch die Diagnostik selber ist auch die Interpretation der Laborergebnisse häufig fehlerbehaftet, weil nicht eindeutig bzw. nicht aussagekräftig. Die Gründe für falsch positive oder falsch negative Ergebnisse der gängigen Labordiagnostikmethoden sind vielschichtig, daher hier nur eine Auswahl der gängigen Theorien:

AK-Tests falsch negativ: Patienten entwickeln meist erst 3-4 Wochen nach Erstinfektion AK, manche allerdings auch noch später oder gar nicht.

AK-Tests falsch negativ: Es gibt Patienten, die trotz Infektion mit Borrelia burgdorferi keine nachweisbaren Antikörper bilden bzw. die AK-Tests negativ sind.

AK-Tests falsch negativ: Patienten, bei denen die Borrelien auf begrenzte Körperabschnitte lokalisiert bleiben, entwickeln nicht immer (nachweisbare) AK-Titer im Blut.

AK-Tests falsch negativ: Patienten, die sehr frühzeitig mit Antibiotika behandelt werden unterdrücken eine generalisierte Verbreitung der Borrelien und damit die Antikörperreaktion. Trotzdem können Borrelien in einzelnen Zellen überleben und sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder vermehren (intrazelluläre Persistenz, z.B. in Makrophagen, Fibroblasten, Endothelzellen oder Magakaryozyten).

AK-Tests initial falsch negativ: Patienten mit negativem AK-Test entwickeln manchmal aus ungeklärten Ursachen erst im Verlauf einer Antibiose positive AK-Reaktionen.

AK-Tests im Verlauf falsch negativ: Patienten können im Krankheitsverlauf einer chronischen Borreliose zunächst positive AK-Titer aufweisen, die trotz persistierender Borrelien im Krankheitsverlauf wieder negativ werden können (Serokonversion).

AK-Tests falsch negativ: Borrelienstämme, die für die Durchführung von Tests gezüchtet werden, verlieren vermutlich im Laufe der Zeit ihre Antigenität teilweise (siehe auch Erregerübersicht).

AK-Tests positiv ohne klinische Erkrankung : Positive AK-Tests können auch klinisch gesunde Menschen aufweisen, bei denen vermutlich irgendwann in der Vergangenheit ein Kontakt mit Borrelien stattgefunden hat. Zeitpunkt, Erkrankungswahrscheinlichkeit und Wahrscheinlichkeit von Rezidiven sind daraus nicht ableitbar (Differenzierung über Immunoblot kann weitere Aussagen liefern).

AK-Tests falsch positiv: Aufgrund der Ähnlichkeit der Erreger und des klinischen Erscheinungsbildes kommt es zu diagnostischen Überschneidungen mit Lues = Syphilis führen (Erreger der Syphilis ist Treponema pallidum, ebenfalls eine Spirochäte). Gleiches kommt umgekehrt beim TPHA-Test auf Syphilis vor.

AK-Tests falsch positiv: Außerdem können andere Infektionen durch Spirochäten, Rickettsien, HIV-1, Eppstein-Barr-Virus und andere falsch positive Ergebnisse liefern. Vor allem persistierende EBV-Infektionen (Ebstein-Barr-Virus) können zu positiven Borrelia-burgdorferi-IgM-AK führen.

AK-Tests falsch positiv: Hypergammaglobulinämie (polyclonale B-Zellen-Aktivierung).

AK-Tests falsch positiv: Krankheiten mit hohen Konzentrationen von Autoantikörpern.

AK-Tests falsch positiv: ELISA/IFT reagieren auch mit Antikörpern gegen Hitzeschockproteine, die nicht nur bei Borrelien, sondern auch bei zahlreichen anderen Erregern vorkommen (Westernblot ist dann meist negativ oder fraglich)

LTT falsch negativ: Nicht für alle Borrelien-Stämme ist der LTT gleich sensitiv, daher sind falsch-negative Ergebnisse möglich

LTT falsch negativ:
Der Test erfaßt die Proliferation der durch Borrelien-Antigen-Strukturen sensibilisierten Lymphozyten. Nimmt man die Blutproben während einer Phase, in der die Borrelien über einen längeren Zeitraum nur intrazellulär vorliegen, ist ein Nachweis trotz Persistenz nicht sicher möglich.

LTT:
spezifisch sensibilisierte Lymphozyten reagieren auf diese Antigene, vermutlich losgelöst davon ob es sich um vermehrungsfähige, aktive Borrelien oder deren Abbauprodukte handelt. Außerdem dauert es einige Zeit, bis der Großteil der proliferierten Lymphozyten (T-Effektorzellen) zugrunde geht und den Test nicht mehr positiv beeinflußt. Therapeutische Kontrollen mittels LTT-Test sind daher nur eingeschränkt aussagekräftig und können auch nach Eradikation der Borrelien vermutlich noch über längere Zeit falsch positiv ausfallen. Es wird daher von Labormedizinern empfohlen, frühestens 8 besser 10 Wochen nach Absetzen den Antibiotika den LTT zur Erfolgskontrolle durchzuführen. Eine Wiederholung des Testes nach einigen Monaten sollte im Einzelfall erwogen werden.

PCR-Test: Da der Test auf dem Nachweis von borrelienspezifischer DNA beruht, muß diese in der Probe auch vorhanden sein, um ein positives Ergebnis zu erzielen. Borrelien können während der unterschiedlichen Infektionszyklen in verschiednen Geweben vermehrt oder gar nicht vorkommen, daher ist die Wahrscheinlichkeit den Erreger oder dessen DNA zu erwischen, nicht höher als bei den übrigen beschriebenen Methoden (Einschätzungen durchführender Labore gehen von 30-50% Trefferwahrscheinlichkeit aus, je nach Lokalisation und Probenart). Negativ bedeutet also nicht automatisch, daß keine Borreliose vorliegt. Allerdings kann man bei positivem Test mit einigermaßen hoher Sicherheit davon ausgehen, daß es sich um eine akute Infektion mit dem Erreger handelt.