HUMORALE IMMUNANTWORT

Humorale Immunantwort

Wie schon zuvor beschrieben setzt die humorale Immunantwort, also die Bildung von Antikörpern gegen Borrelienstrukturen, erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt im Krankheitsverlauf ein. Nach in der Regel 2 bis 4 Wochen werden IgM-Antikörper gebildet, ab der 6. Woche dann in der Regel auch IgG und IgA-Antikörper. Hinsichtlich der Nachweisbarkeit der Antikörper und Aussagefähigkeit der Testergebnisse (siehe Labordiagnostik). Die IgG-Antikörper können über Jahre hinweg persisitieren, verschwinden aber in vielen Fällen auch nach kürzer Zeit wieder. Die humorale Antwort wird wohl zuerst durch das 41-kDa-Flagellenprotein ausgelöst, erst später auch gegen andere Proteine der Borrelienoberfläche, wie z.B. OspA oder OspB (siehe Antigenstrukturen). Setzt die Antibiose so frühzeitig mit Erfolg ein, daß die Erreger vor Beginn der humoralen Immunantwort eliminiert sind, so können Antikörper unter den Grenzwerten bleiben oder ganz fehlen.

Borrelien zeichnen sich durch zwei wesentliche Eigenschaften aus:
- Sie können ihre Oberflächenantigene, modifizieren und werden dadurch für den Angriff von Antikörpern maskiert.
- Sie können in Wirtszellen eindringen und intrazellulär überleben, indem sie den Immunreaktionen weitgehend entgehen.

Dabei nehmen Sie vermutlich auch häufig eine zystische Form an, und besitzen so einen weiteren Abwehrmechanismus. Außerdem gehen einige Forschergruppen davon aus, daß gerade Patienten mit Antigenüberschuß Immunkomplexe bilden, die weitgehend alle Antikörper binden und diese daher nur dann überhaupt nachweisbar sind, wenn die Immunkomplexe zuvor aufgebrochen werden. Resultat kann dabei sein, daß ausgerechnet Patienten mit hoher Borrelien-Antigenbelastung durch den (vermeintlich) negativen AK-Test nicht adäquat behandelt werden (Lit. 53; 64; 98; 168; 169).

Alles in allem gilt:
Positive Antikörper-Titer geben lediglich einen Anhalt für die Diagnosestellung, besagen aber mit Gewißheit nur, daß irgendwann ein Kontakt mit Borrelia burgdorferi stattgefunden hat, nicht jedoch ob man akut erkrankt ist.

Negative Antikörper-Titer schließen eine Infektion mit Borrelia burgdorferi nicht automatisch aus (Siehe mögliche Interpretation der Laborergebnisse).