ENDOTOXINE

Daß auch Borrelien Endotoxinstrukturen aufweisen ist bereits seit Mitte der 80’er Jahre bekannt. Bereits Fumarola konnte nachweisen, daß sowohl der Kaninchen-Pyrogentest nach Arzneibuch als auch der Limulustest bei Borrelien positiv ausfällt. Auch wenn die Aktivität niedriger zu sein scheint, als bei E. coli, so muß doch davon ausgegangen werden, daß die Bildung von Endotoxinen einen wesentlichen Einfluß auf die Pathogenese und den Verlauf der Krankheit hat. Es konnte nachgewiesen werden, daß Lipopolysaccharide von Borrelien Mitogenität und Pyrogenität aufweisen, sowie Cytokinfreisetzungen bewirken (Lit.: 117). Bereits Anfang der 90’er Jahre konnte nachgewiesen werden, daß es sich bei dem Proteinanteil um ein niedermolekulares Lipoprotein (Lit.: 9) handelt und vermutlich auch ein Auslöser der Krankheitssymptome der Lyme-Borreliose ist.

Die Bildung von Endotoxinen dürfte im übrigen auch für die Herxheimer-Reaktion im Zusammenhang mit Antibiotikagaben stehen, das heißt durch die Gabe wirksamer Antibiotika werden aus den absterbenden Bakterien Endotoxine freigesetzt, die das Krankheitsgefühl des Patienten zunächst verstärken können.

Nicht geklärt ist bisher, ob Endotoxine auch im Zusammenhang mit dem Post-Lyme-Syndrom und persistierenden Beschwerden stehen. Die Struktur der Endotoxine legt die Vermutung nahe, daß sie sich bevorzugt an lipophile Strukturen des Körpers, einschließlich dem Nervengewebe, binden können. Theorien, nach denen die Ausscheidung über den enterohepatischen Kreislauf erfolgt und durch Rückresorption im Magen-Darm-Trakt die letzendliche Elimination aus dem Körper deutlich verzögert ist, gewinnen durch Beobachtung der Wirksamkeit von Colestyramin an Bedeutung (Lit.: 99).