CYSTEN

Zystische Formen der Borrelia burgdorferi

Wesentliches Charakteristikum von Borrelien ist deren die Eigenschaft, sich aus der mobilen, spiralförmigen Spirochäte mit Zellwand und Zellmembran in eine immobile, cystische Zellwand-Mangel-Form umwandeln (= Sphäroblasten = L-Form (zu Ehren des Lister-Instituts) = CWD = cell wall deficient form umzuwandeln. Diese cystische Form ist eine weitgehend inaktive Ruheform, die – vermutlich meist intrazellulär – persistiert. In der zystischen Form sind Borrelien schlecht durch Antibiotika zu behandeln, da sie sich in dieser Form nicht oder nur sporadisch teilen und somit die gängigen Wirkansätze der Antibiotika häufig versagen. Dazu kommt die Schwierigkeit, intrazellulär ausreichende Antibiotikakonzentrationen zu erreichen, was bei den meisten gängigen Antibiotika der Fall ist.

Borrelien in dieser Form haben eine unvollständige äußere Oberfläche (Outer Membran) und eine unvollständige oder gar nicht vorhandene Zellwand. Damit fehlen vermutlich auch weitgehend die Strukturen, die an diese Teile gebunden sind, z.B. die Flagellen, die Lipopolysaccharide und die Proteine der äußeren Oberfläche (Outer Surface Proteins =Osp's)
(Lit.: 163; 164; 165).

Die Oberflächen außerhalb der Zytoplasmamembran, also die Zellwand (ZW = cell wall) und die äußeren Membran (AM = outer membrane), werden durch bakterieneigene Lysozyme (auflösende Enzyme) beim Wachstum aufgelöst. Die Bildung der Cysten stellt eine Art Überlebensmechanismus der Borrelien gegen Umwelteinflüsse dar. Wenn durch Verwendung von Penicillinen/Cephalosporinen oder die Wirkung des Immunsystems das Gleichgewicht zwischen bakterieller Auflösung und Wiederaufbau gestört wird, entstehen überproportional viele zellwand-defizitäre Formen (=Cysten = Sphaeroblasten=L-Formen), bei denen die Zytoplasma-Membran (ZM = cytoplasma membrane) und Flagellen von außen sichtbar werden. Therapeutische Schwierigkeiten können auftreten, da insbesondere die Antibiotika der Wahl im Stadium 2&3 die Cytenbildung erst richtig induzieren können (siehe generelles zur Therapie). So konnte in Untersuchungen von Patientengruppen mit Borreliose, die entweder schon mit Antibiotika lege artis behandelt worden waren und Vergleichsgruppen, die zwar typische Symptome einer Borreliose aufwiesen, aber noch nicht antibiotisch behandelt worden waren, deutliche Unterschiede herausgearbeitet werden (Lit.: 153). Deutlich mehr atypische Borrelien-Formen konnten bei Patienten isoliert werden, die zuvor mit Antibiotika, vorzugsweise beta-Lactam-Antibiotika, behandelt wurden. In-vitro zeigten diese Proben auch eine höhere Neigung, weiterhin unterschiedliche Formen zu bilden, insbesondere bei der Zugabe von Penicillin G. So konnten überlange Formen, sphärische Strukturen, nicht-vermehrungsfähige Zellen, und Mykoplasmen-ähnliche Kolonien identifiziert werden. Das Verhältnis von Zysten- und Spirochäten-Volumen variiert in weitesten Grenzen, von kleinen knospenähnlichen Zysten, die noch an im wesentlichen intakten Spirochäten gebunden sind bis hin zu großen Gebilden mit überhaupt fehlenden oder winzigen Spirochäten-Ansätzen (Lit.: 35).

Die Zysten können sich von den Spirochäten lösen. Sie werden dann "Blebs" genannt (Lit. 32; 65; 81; 117; 194). Eine Reihe von experimentellen (nicht für allgemeinen Gebrauch standardisierten) Tests weisen solche Antigene in Menschen und Tieren nach (Lit.: 65; 77; 108).