ANTIGENSTRUKTUREN

Antigenstrukturen von Borrelia burgdorferi:

Das Proteinprofil der äußeren Borrelienmembran ist in den letzten Jahren immer weiter aufgeklärt worden. Bisher konnten, je nach Subspezies, rund 40 Oberflächenproteine nachgewiesen werden. Zu den wichtigsten Oberflächenproteinen gehören die Osp-Antigene (=Outer surface protein): OspA, OspB, OspC, OspE, OspF

Insbesondere OspA und OspC kommen in zahlreichen veschiedenen Varianten vor und dienen u.a. zur Typisierung der Subspezies. Borrelien sind in ihrer Antigenstruktur offenbar ausgesprochen wandlungsfähig, so kann ein Borrelienstamm durch Züchtung über mehrere Generationen hinweg seine Antigenstruktur und seine Infektiosität verändern (Züchtungspassagen) (Lit.: 171, 24). Weiterhin haben in vitro und in vivo weitere Faktoren Einfluß auf deren Oberflächenantigene, dazu gehören:

- Alter der Borrelien
- Anzahl durchlaufener Generationen bei der Züchtung
- Anzahl durchlaufener Zecken-Wirt-Passagen in vivo
- äußeres Milieu (Temperatur, Wirt, Gewebe, Medium)

Dies führt auch im Labor zu Schwierigkeiten, da z.B. gezüchtete Borrelienstämme zur Gewinnung von Antigen-Isolaten nur begrenzt einsetzbar zu sein scheinen. Es konnte in-vitro nachgewiesen werden, daß mit zunehmender Anzahl der Kulturpassagen Antigene und Plasmide verloren gehen und damit möglicherweise auch die Virulenz abnimmt (Lit.: 43; 44). Im Labor ist der Erreger auch wesentlich empfindlicher gegen Umwelteinflüsse (Temperatur, Nährmedium, Luftfeuchte) als in freier Natur, wo Borrelien in den Zecken extremen Milieuschwankungen ausgesetzt sind. Das macht auch die Anzüchtung zum Nachweis schwierig und sollte Speziallaboren überlassen werden Lit. 21; 23).

Bisher gibt es kaum konkrete Untersuchungen, welche der bekannten Bestandteile und Eigenschaften der Borrelien für die Ausbildung von welchen Krankheitsbildern, Entzündungsrekationen, Infektivität, Umgehung des Immunsystems und Krankheitsentstehung und -Entwicklung konkret verantwortlich sind, die meisten Erklärungsansätze beruhen auf Theorien. Entsprechend vage sind die Schlußfolgerungen zur Therapie, insbesondere im chronischen Stadium, die meist rein empirisch sind, allerdings mit in vielen Fällen mangelnder Langzeiterfolgskontrolle.

Am häufigsten untersucht wurden die Reaktionen, die durch Osp's hervorgerufen werden (Lit.: 97). Reine L-Formen, d.h. Borrelien ohne äußere Oberflächenmembran, ohne Flagellen und ohne Zellwand erzeugen andere Entzündungserscheinungen und wahrscheinlich andere Antikörper als die spirochätale Form.