ÜBERSICHT

Borrelien haben zusätzlich vermutlich die Fähigkeit ihre Oberflächenantigen zu verändern, was einerseits zu den beschriebenen Schwierigkeiten bei der Diagnostik führt, andererseits aber auch dem Immunsystem eine effiziente Immunantwort erschwert. Hier könnte eine der Ursachen für chronische Verläufe liegen. Der Erreger der in den USA zuerst beschriebene Lyme-Krankheit weist interessanterweise völlig andere Antigenstrukturen auf als die aus europäischen Zecken isolierten. Entsprechend diesen unterschiedlichen Antigenstrukturen unterscheidet man derzeit, je nach Autor, 10 bzw. 11 Borrelienspezies mit bis zu 300 Subspezies:

Humanpathogenen Spezies:
- Borrelia burgdorferi sensu stricto
- Borrelia garinii
- Borrelia afzelii

Spezies mit ungeklärter Pathogenität:
- Borrelia valaisianae
- Borrelia lusitaniae
- Borrelia tanukii
- Borrelia bissetii

Für den Menschen vermutlich apathogene Spezies:
- Borrelia japonica
- Borrelia andersonii

Als Überbegriff der humanpathogenen Borrelienspezies hat sich Borrelia burgdorferi (sensu lato) eingebürgert.

Es wird diskutiert, ob diese unterschiedlichen Antigenstrukturen in Korrelation zum einen mit dem unterschiedlichen Erkrankungsverlauf und den unterschiedlichen Organmanifestationen und zum anderen mit dem unterschiedlichen Ansprechen auf Antibiose stehen (Lit. 182). Aufgrund der deutlichen Unterschiede der amerikanischen Erregerstämme zu den europäischen Erregerstämmen der Borreliose müssen auch Studienergebnisse und Therapieempfehlungen aus den USA mit einiger Vorsicht interpretiert werden, denn diese lassen sich vermutlich nicht einfach 1:1 übertragen.

Es gibt, wie oben beschrieben, eine ganze Reihe unterschiedlicher Borrelienspezies, in Europa sind am häufigsten die folgenden anzutreffen:

- Borrelia burgdorferi sensu stricto
- Borrelia garinii
- Borrelia afzelii
- Borrelia valaisianae
- Borrelia lusitaniae

Das Genom von Borrelia burgdorferi s.s. ist vollständig sequenziert und besteht aus einem linearen Chromosom mit 853 Genen und elf variablen linearen und zirkulären Plasmiden mit circa weiteren 430 Genen (Lit.: 42; 70; 109). Die Plasmide kodieren u.a. die Oberflächenproteine, die an der äußeren Membran von Borrelia burgdorferi nachgewiesen werden konnten (Lit.: 31).