VERHALTENSMAßNAHMEN

Bester Schutz vor Borreliose ist die Vermeidung von Zeckenbissen

Die zu den Spinnentieren gehörenden Schildzecken (am häufigsten kommt Ixodes ricinus vor) durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien. Nach der Eiablage (jede Zecke legt 2000-3000 Eier) entwickeln sich zunächst Larven, dann Nymphen und schließlich geschlechtsreife Zecken. Untersuchungen haben ergeben, daß bereits die Eier eine Vielzahl an Erregern, darunter auch Borrelien, enthalten können, die dann als Erregerreservoir über die gesamte, bis zu 6 Jahren dauernde, Lebenszeit der Zecken dienen kann. Rund 70% der Zeckenbisse erfolgen nicht durch erwachsene Tiere, sondern deren Vorstufe, die sehr viel kleineren Nymphen. Nur rund 25% der Zeckenbisse erfolgen durch erwachsene Tiere. Nymphen sind mit 1 mm Körperlänge im nicht vollgesogenen Zustand sehr viel kleiner als erwachsene Zecken und können daher leicht übersehen werden, noch kleiner, aber auch schon potentiell infektiös, sind die Larven, die jedoch nur zu einem kleinen Teil für Zeckenbisse verantwortlich sind.

Untersuchungen und Zählungen in einigen Bundesländern haben ergeben, daß vermutlich 5% der Larven, 20% der Nymphen und 40% der erwachsenen Zecken infektiös sind, da es jedoch nur punktuelle Untersuchungen der Zeckenpopulationen hierzu gibt, sind die Angaben mit entsprechender Vorsicht zu genießen.

Da es bisher keinen wirksamen Impfstoff für Menschen gibt und auch nach einer erfolgreich ausgeheilten Borrelien-Infektionen keine Immunität aufgebaut wird, bleibt nur die Vermeidung von Zeckenbissen als einzige wirksame Prophylaxe.

Zecken sind nicht sehr mobil, daher sind sie fast immer in geringer Höhe anzutreffen. Man sollte ungemähte Wiesen ebenso meiden, wie Waldgebiete mit viel Unterholz oder aber Gebiete mit weitreichenden Krautzonen (z.B. auch mit hohem Gras, krautigen Pflanzen, Farnen oder Sträuchern bewachsene Lichtungen). Die häufigsten Träger von Zecken sind Klein- und Wildtiere wie z.B. Mäuse oder Igel, daher droht die größte Gefahr in den Höhen, in denen eben diese Kleintiere Zecken verbreiten können. Man sollte daher Gebiete, in denen diese Tiere vermehrt vorkommen (z.B. Tiertränken, Holzstapel aber auch Vogelhäuser im Garten) von Frühjahr bis in den späten Herbst möglichst meiden. Außerdem trifft man dann besonders auf Zecken, wenn es feucht ist, dies trifft auch für die Tageszeiten zu, in denen sie bevorzugt aktiv sind, nämlich morgens und abends.

Kann man dies nicht vermeiden, sollte man angemessene Kleidung tragen, dies bedeutet lange, helle Hosen, Schuhe, Strümpfe und hochgeschlossene Oberbekleidung. Glatte Stoffe erschweren den Halt auf der Kleidung, helle Kleidung erleichtert das Erkennen der Zecken, Nymphen und Larven. Die jungen Zecken, sind allerdings so klein und unscheinbar, daß man Sie häufig übersieht. Es empfiehlt sich zeitnah die Kleidung zu wechseln und den unbekleideten Körper von oben bis unten z.B. vor einem Spiegel auf Zecken abzusuchen. Zecken bevorzugen Hautfalten, in denen die Haut dünner und das Klima warmfeucht ist, also ideale Bedingungen aufweist (z.B. Armbeuge, Kniekehle, Leistenbeuge, hinter den Ohren u.a.). Daher darf man nicht vergessen, gerade hier nachzuschauen.

Eine weitere Übertragungsmöglichkeit ist der direkte Übergang der Zecken von Tieren auf Menschen, z.B. von Hund oder Katze auf den Menschen. Dabei muß besonders auf Zecken geachtet werden, die sich auf dem jeweiligen Tier noch nicht festsaugen konnten, also vergleichsweise klein und unauffällig sind. Besondere Vorsicht gilt auch für Jäger, die erlegtes Haarwild, z.B. Rehe, Hirsche oder Kaninchen berühren.

Nach bereits in den 80er und 90er Jahrene durchgeführten Untersuchungen ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch Blutkonserven nicht völlig auszuschließen, da die Erreger einen gewißen Zeitraum darin überleben. Es wurde bisher zwar klinisch noch kein Zusammenhang zwischen Bluttransfusionen und Borreliosen beschrieben, dies räumt ein potentielles Risiko jedoch nicht völlig aus. Die vorgeschriebenen Routinetests für Blutkonserven beinhalten bisher keine Nachweisverfahren auf Borrelien oder Borrelien-Antikörper. Aufgrund der schwierigen Interpretation solcher Testergebnisse und der fehlenden Sicherheit würden großangelgete Routinetests vermutlich auch keinen zusätzlichen Nutzen bieten und erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll.